Barbara Toppel erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

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Barbara Toppel erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens

der Bundesrepublik Deutschland

 

Die Wernigeröderin Barbara Toppel ist heute mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Die Auszeichnung „in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste“ überreichte Landrat Thomas Balcerowski im Auftrag des Ministerpräsidenten. Die Verleihungsurkunde hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schon am
12. Juni 2020 unterzeichnet. Aufgrund der Corona-Pandemie war es Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bisher nicht möglich, die Ordensinsignien und die Verleihungsurkunde an die 57-jährige Orchestermusikerin persönlich auszuhändigen.

 

„Mit dieser Auszeichnung werden insbesondere ihre herausragende Verdienste in den Bereichen der Kultur und der Interkulturalität gewürdigt“, hebt Thomas Balcerowski in seiner Laudatio hervor. Barbara Toppel habe mit unermüdlichem Einsatz und großem Mut die „Villa Russo“ in Wernigerode mit neuem Leben erfüllt und diese als eine internationale kulturelle Begegnungsstätte etabliert. „So haben Sie Kultur und Musik zusammengebracht“, fügt der Landrat des Landkreises Harz hinzu.

 

Barbara Toppel leiste mit ihrer außergewöhnlichen Arbeit in Wernigerode nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen, sondern trage dazu bei, das Andenken an die jüdische Vergangenheit der Stadt zu bewahren. „Frau Toppel hat ihre Erfahrungen und ihre Zeit stets uneigennützig in den Dienst der Gesellschaft gestellt und so in vorbildlicher Weise einen wertvollen Beitrag für unser Gemeinwohl geleistet.“

 

Die 1965 im heutigen Nettetal geborene Barbara Toppel hatte 2008 die Villa Russo samt Grundstück ersteigert. Das frühere jüdische Eigentum in der Feldstraße 7 dürfe nicht zum Spekulationsobjekt wirtschaftlicher Interessen werden oder gar verschwinden, so die Intension der Käuferin. Sie entwickelte ein Konzept, die Villa zu einer Begegnungsstätte für Kultur, Musik und Soziales zu gestalten. Sie nahm Kontakt zu Musikern in Israel auf, mit denen sie Konzerte in den Räumen der Villa anbietet. Unterstützt wird sie dabei nicht nur von den Musikern des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode, sondern auch im Förderkreis und bundesweiten Kontakten.

 

Die eingerichteten Gästezimmer und eine Ferienwohnung helfen bei der Finanzierung der Sanierung des mehr als 130-jährigen repräsentativen Gebäudes. Heute sind Teile restauriert und mit Instrumenten für Spezialkurse für junge Musiker sowie Kammerkonzerte eingerichtet. Außerdem finden Ausstellungen, Wettbewerbe und Lesungen statt. Auf dem Grundstück befindet sich der Sitz des „Kinder- und Jugendhilfezentrum Harz“.

 

Die „Villa Russo“ wurde 1887 vom Käsefabrikanten Moritz Russo im Jugendstil erbaut. 1911 übernahm der ältere Bruder Benno Russo die Fabrik und die Villa. Später heiratet er die Berliner Opernsängerin Clara Jaffe. Aufgrund der nationalsozialistischen Rassegesetze erfolgte 1936 die Enteignung, da das Ehepaar jüdischen Glaubens war. Fabrik und Villa wurden an einen Wernigeröder Nazi-Führer verkauft. 1941 wurden Benno und Clara Russo zunächst in das KZ Theresienstadt deportiert, wo Benno Russo 1943 ermordet wurde. Seine Frau Clara Russo wurde von den Nazis im selben Jahr in Auschwitz vergast. An ihr Schicksal erinnern seit dem 14. April 2009 zwei Stolpersteine, die ihm Gehweg vor dem Grundstück ihrer Villa verlegt sind.

 

Nach 1945 wurden Villa und Grundstück enteignet und verstaatlicht. Ab 1946 nutzte die Konsum-Genossenschaft das Grundstück und die Villa. Später brachte der Landkreis Wernigerode einen Teil der Berufsschule unter. Nach der Wende verkaufte der Landkreis einen Bereich des Grundstückes. Das schon 1990 von den jüdischen Erben als Geschenk angebotene Grundstück samt Villa schlug der Landkreis Wernigerode aus. 2008 bot schließlich die Jewish Claim Conference in Leipzig die Immobilie zum Kauf an.

    

Hintergrund:

Frau Toppel wurde über die Verleihung bereits im Dezember 2020 informiert und um Verständnis gebeten, dass die Aushändigung der Ordensinsignien eventuell erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. In der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur wurde entschieden, dass in Einzelfällen die Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte geben werden sollen, analog der Praxis der Aushändigung der Ehrennadeln, die Aushändigung im Auftrag des Ministerpräsidenten in eigener Verantwortung zu übernehmen.


Quelle: Pressestelle Landkreis Harz

Foto: Landkreis Harz/ Pressestelle